Als ich nach einer kleinen Foto-Tour über den Freimarkt zurück nach Hause fuhr, fragte ich mich zu ersten Mal ernsthaft, wie diese armen Schausteller-Menschen so ein Volksfest überstehen, ohne danach ein Fall für die Klinik zu sein. Die stehen da von früh bis spät, egal bei welchen Wetter. Unablässig hämmert stumpfe Musik auf die Ohren, es stinkt nach schalem Bier und frittiertem Zeug. Die bemitleidenswerten Gestalten an den Losbuden, sabbeln ohne Pause irgendwas von “Super Gewinnchance. Tolle Preise. Ab gehts!” und sind viel mehr Maschinenteile ihres kitschbunten Wagens als Menschen, denen man abnimmt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, gibt es auch noch Menschen, die diese beschränkten Feste leidenschaftlich gerne besuchen. Ob es die armen Leute in den Buden tatsächlich glücklicher macht, wenn ekelhafte Typen ihren traurigen Freundinnen ein Lebkuchenherz umhängen? Kann es befriedigender Lebensinhalt sein, dem Publikum mit Micky-Krause-Songs, Bier aus Plastikbechern und Achterbahnfahrten zu kaum steigerungsfähigerer Erbärmlichkeit zu verhelfen? Macht das Spaß, einem aggressiven Jugendlichen einen kandierten Apfel zu verkaufen, der sich gerade noch die Kotze von der Trainingshose wischen musste und dann aber zum Autoscooter eilt, um die Ehre zu verteidigen? Kann man sich wirklich darauf freuen, klebende Dinge zu verkaufen und damit die Bäuche jeder Stadt zu füllen, die man selbst niemals essen würde? Wünscht man sich nicht inständig, dass diese Riesenrad einfach mal umfällt?
Pentax k7, 8mm Fisheye, f10.0, ISO 200, 6 Belichtungen, Photomatix & Co.



