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Monatliche Archive für: ‘September, 2013’
[singlepic id=898 w= h= float=] Tief im Wald gammeln die Überreste sowjetischer Kasernenstädte vor sich hin. Stück für Stück erobert die Natur diese Orte zurück. Und während Birken durch Dächer wachsen, Pilze marode Wände aufsprengen und Waldbewohner im ehemaligen Offiziers-Casino ein neues Wohnzimmer finden, erinnern skurrile Wandgemälde an die einstigen Besatzer. Es gibt keine Russenkaserne in Ostdeutschland, in der man nicht diese bunten Bilder entdecken kann. Und die haben es in sich: Von qualmenden Schornsteinen, über Heerschaaren stolzer Arbeiter und schwer bewaffnete Garnisonen bis zu den Portraits ideologischer Vaterfiguren findet sich jedes erdenkliche Symbol zwischen Folklore-Kitsch und derbsten Drohgebärden des Kalten Krieges. Doch die Fassade bröckelt und zwar gewaltig. Die Wandbilder dieser Ära vergammeln, schimmeln und stürzen ein. Ein Großteil ist schon verschwunden und Zerfall schreitet unaufhörlich voran. Das war’s dann wohl ihr Relikte…

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Es gibt ja so Dinge, die glaubt man nicht. Bis man sie mit eigenen Augen gesehen hat. So ging es mir beim Penis-Park in Südkorea. Vor unserer Reise in das Land am 38. Breitengrad hatte ich ein paar Fotos im Netz gefunden, aber die Informationen waren spärlich. Ich wusste nur: Es gibt dort irgendwo einen Ort mit einem seltsamen Penis-Kult.

[singlepic id=897 w= h= float=] Eines Morgens bestiegen wir einen Bus und fuhren von Seoul gut vier Stunden quer durchs Land. Über dicke Autobahnen und schneebedeckte Berge bis an die Ostküste. Und dann standen wir in diesem winzigen Fischerdörfchen: Ein Hund lag gähnend am Straßenrand. Drei Möwen saßen reglos auf der Brüstung eines vergammelten Leuchtturms. Erlegte Tintenfische trockneten auf Holzgestellen in Mittagssonne. Das einzige was sich hier bewegte, war farbloser Plastikmüll, der im trüben Brackwasser des Hafenbeckens umhertrieb.  Hier war nichts los und das ist noch übertrieben. Doch am Ende des Dorfplatzes stand eine Frau. Als sie uns erblickte, versetzte sie ihre Arme in freudige Winkbewegungen und eilte in ein hölzernes Kassenhäuschen. 3000 Won pro Person wurden ordnungsgemäß kassiert, nachgezählt und säuberlich in einer Geldkassette verstaut. Dann wurde das Eingangstor geöffnet.

Haesindang Park in der Provinz Gangwon-do

Die Legende besagt, dass eine Jungfrau eines Morgens auf einem Schiff hinaus gefahren und auf einem Felsen abgesetzt wurde, um Seegras zu sammeln. Durch ein plötzlich aufkommendes Gewitter wurde es jedoch unmöglich sie wieder auf das Festland zu holen und sie ertrank. Seit diesem Tag gelang den Fischern des Dorfes kein Fang mehr. Sie fingen nicht einen einzigen Fisch. Das Gerücht kam in Umlauf, dass es wegen des Mädchens sei. Man war überzeugt: Der Geist der Jungfrau verflucht die Fischgründe. Doch versehentlich verlor ein Fischer an einem Tag seine Hose und entblößte seine Männlichkeit. Manch einer meint sogar, er habe da noch mehr gemacht. Hier ist viel Platz für Fantasie. Jedenfalls gab es plötzlich wieder Fische und der Grund dafür war das Gemächt. Seitdem werden Rituale durchgeführt und Statuen in Penisform säumen den Berg am Ufer.

Schräge Geschichte in einem Land, das ein ebenso schräges Verhältnis zur Sexualität hat. Koreaner sind prüde. Händchen halten in der Öffentlichkeit ist schon zu viel des Guten und Küssen geht gar nicht. Auf der Ferieninsel Jeju gibt es sogar einen Freizeitpark, der die prüde Bevölkerung aufklären soll. „Love Land“ heißt er und wäre bestimmt auch einmal einen Besuch wert. Wir erkundeten aber erst einmal den Penis-Park und lachten uns immer wieder schlapp, welche Objekte doch alles „verpimmelt“ werden können: Bänke, Hocker, Geländer, Windanzeiger und sogar eine Kanone. Es gibt wirklich Dinge, die glaubt man nicht, bis man sie mit eigenen Augen gesehen hat.
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[singlepic id=893 w= h= float=] Es gibt schon kuriose Orte: Das ausgetrocknete Schwimmbad gehört definitiv dazu und ich erinnere mich noch gut an die Walze heißer Luft, die uns entgegen schlug, als wir das verlassene Badeparadies betraten. Die Sonne brannte an diesem Nachmittag gnadenlos auf die riesige Kuppel,über dem einstigen Planschbecken und heizte den Innenraum des Vergnügungstempels auf gefühlte 70 Grad auf. Die übliche urbex-Klamotte (fette Schuhe gegen Nägel und Scherben sowie lange Hose und Handschuh, gegen Kratzer und Dreck) plus Kamera, Stativ und Rucksack waren in dieser Umgebung alles andere als angenehm. Das Atmen fiel schwer und wir krochen im Schneckentempo durch diese Riesensauna. Wir zerflossen im Nichtschwimmerbereich.

Leider waren die üblichen Verdächtigen schon vor uns da: Schrottdiebe rissen bereits jedes noch so kleine Teil, verwertbares Metall heraus und hinterließen einen beeindruckenden Berg aus Kabelisolierungen. Und  auch die stumpfesten Besucher solcher Orte, die Zerstör-Kids, traten sich schon ihre Füße an Türen, Glasscheiben und Abdeckungen kaputt. Und so sammelten wir ein paar Momente stillstehender Zeit ein, wunderten uns über die sinnfreie Zerstörwut  und verließen diesen seltsamen Ort  mit gesenkten Köpfen – fast so wie die verdorrten Palmen am Beckenrand.
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[singlepic id=891 w= h= float=] Statt Verkehr und Autos gab’s am Sonntag Musik, lecker Essen und ein Riesenrad: Der autofreie StadTraum bespielte in diesem Jahr die Neustadt und ich war für das Festival als Eventfotograf in Bremen unterwegs. Es gab viel zu entdecken und schöne Motive. Wie zum Beispiel Cheerleader und Dudelsäcke, die alle Straßenbahnen eskortierten. Witzige Idee.

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Der Leibnizplatz ist sonst eine stark befahrene Kreuzung mit mehrspurigen Straßen, zahlreichen Straßenbahngleisen und vielen Ampeln. Für einen Tag entstand hier ein lebendiger Platz. Hat Spaß gemacht!

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