Sechs GoPros, ein 3D-Drucker und zwei Jahre Tüfteln
Wie ein selbstgebautes Kamera-Rig meine Karriere in Bewegung setzte.
Es gibt Ideen, die lassen einen nicht los. Mich hat jahrelang eine einzige Frage verfolgt: ob sich das, was mit Panoramafotos funktioniert — diese sphärische Perspektive, bei der die Welt zur Murmel zusammenschrumpft — auch als Video realisieren lässt.
Die Antwort brauchte zwei Jahre. Ich probierte Spiegel-Setups, schraubte Kameras auf Drehteller, verwarf einen Ansatz nach dem anderen. Die Erkenntnis kam irgendwann fast zwangsläufig: Es geht nur, wenn man alle Winkel gleichzeitig einfängt. Also konstruierte ich gemeinsam mit dem Hackerspace Bremen eine Halterung, druckte sie aus, bestückte sie mit sechs GoPro Hero 3s — präzise ausgerichtet, damit die Überlappung später in der Post-Produktion zu einer nahtlosen Kugel zusammengefügt werden konnte.
Dann setzte ich mich aufs Fahrrad und fuhr durch Bremen.
Im April 2014 erschien das Video auf Vimeo — und bekam innerhalb von Stunden einen Staff Pick. Innerhalb von Tagen die Berichterstattung: Wired, The Verge, Mashable, Huffington Post, Süddeutsche Zeitung. 1,3 Millionen Plays.
Was folgte, war kein Plan — es war eine Konsequenz. Musikvideos für Künstler wie Fettes Brot, Deine Freunde und Knytro. Cockpit-Aufnahmen und VR-Content für Automobilhersteller, die plötzlich verstanden, was mit dieser Perspektive möglich ist. 2015 holte mich Mobileye nach Jerusalem — die Produktion eines 360°-Films für VR-Brillen brachte ihnen einen Guinness-Weltrekord ein. Tourismus-Produktionen führten mich über mehrere Jahre rund um den Globus — USA, Südafrika, Turkmenistan, Norwegen, Island. Große Brands, die genau das wollten, was ich 2014 auf einem Bremer Radweg entwickelt hatte: eine Perspektive, die es so noch nicht gab.
360°, VR, was auch immer danach kommt — ich bin neugierig und immer auf der Suche nach neuen Perspektiven.