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Archiv: ‘jonas’

Jonas Ginter

ist Fotograf in Bremen und spezialisiert auf Business-Portraits, Industriefotografie und neue Perspektiven. Er realisiert 360°-Videos und virtual reality Produktionen. Auch auf: Google+ und: facebook

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Es gibt Fabriken, die sind so groß, dass sie eigene Gleisanlagen haben. So war es auch bei dieser Firma im Ruhrpott. Das Objekt steht schon eine Weile leer und ein ganzer Zug samt Doppelstockwagen und Lok gammelt dort vor sich hin. Ich habe gehört, dass dort vor Jahren die Polizei mit Platzpatronen gespielt hat und ich kann mir das sehr gut vorstellen: In einige Mauern waren dicke Löcher gesprengt und hier und da fanden wir Patronenhülsen.

Kaum ein Fenster in den Eisenbahnwaggons war noch intakt und mir gefielen die feinen Strukturen, die das gebrochene Glas und der Schmodder erzeugten. Wir liefen durch die Wagen und unter unseren Schuhen knirschte und knarkste es. Als ich aus dem Fenster blickte und den Schriftzug „slow“ an der Wand entdeckte, musste ich kurz anhalten und den „Ausblick“ fotografieren. Ich fand das passend, denn hier ging es wirklich langsam voran: Langsam aber sicher wird Herr Verfall alleiniger Hausherr in diesem Gemäuer.

Pentax k7, 8mm Fisheye, f8.0, ISO100, HDR aus 5 Belichtungen, Photomatix & Co.

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Viele leer stehende Gebäude sind nicht mehr ganz dicht. Irgendwie sucht sich das Wasser einen Weg und steht auf einmal mitten im Raum. So auch in dieser kargen Halle auf dem Kaffee HAG Gelände in Bremen. Ich mag das, denn in den meisten Fällen sorgen Wassereinbrüche und Pfützen für spannende Reflexionen. Selbst so so leer gefegte Räume können dadurch ganz neu wirken. Je tiefer der Standpunkt desto präsenter sind in der Regel die Spiegelungen. Das funktionierte auch hier und eröffnet eine zweite Perspektive im Bild, die Details der Decke zeigt, die sonst gar nicht zu sehen sind.

Um möglichst viele Details und den gesamten Dynamikumfang der Szene einzufangen, setzte ich auf eine breite Belichtungsreihe, die ich zu einem HDR verrechnete. Auf petapixel wird seit ein paar Tagen diskutiert, ob HDR-Fotos etwas im Fotojournalismus zu suchen haben. Ich sage ganz klar: Ja! HDR ist nichts weiter als eine Technik, um die Limitierungen der Kamera aufzubrechen. Was kann ich dafür, dass moderne Kameras bei weitem noch nicht so viel erfassen können, wie das menschliche Auge? Durch Kombinationen unterschiedlich belichteter Bilder, komme ich dem tatsächlichen Seherlebnis vor Ort viel näher: Ich erkenne Details in den hell ausgeleuchteten Fenstern und nehme gleichzeitig Strukturen in den dunklen, schattigen Bereichen wahr. Die Kamera kann das normaler Weise nicht.

Um also eine Szene so zu zeigen, so wie ich sie vor Ort erlebt habe, muss ich mich dieses Tricks bedienen. Ganz klar: Man kann es sehr schnell übertreiben mit der HDR-Fotografie, doch gegen eine dezenten uns sinnvollen Einsatz dieser Technik spricht absolut gar nichts. Und deshalb sind HDR-Bilder, meiner Meinung nach, auch absolut kein Problem im Fotojournalismus. Der eingefangene Moment wird dadruch nicht manipuliert sondern lediglich anders eingefangen. HDR-Fotografie bricht mit den Sehgewohnheiten und technischen Limitierungen, denen wir seit Jahrzehnten ausgesetzt sind. Höchste Zeit, dass sich das ändert!

Pentax k5, 8mm Fisheye, f10, ISO 100, HDR aus 5 Belichtungen, Photomatix & Co.

[singlepic id=690 w= h= float=] Letzte Woche hat Opa noch gesagt: „Der Winter kommt zurück.“ Ich habe nicht daran geglaubt. Während wir telefonierten, stand ich bei 14 Grad auf meiner Terrasse und trank, im dünnen Jäckchen bekleidet, Kaffee – ganz ohne zu frieren. Und außerdem ist hier seit 8 Monaten Herbst.

Jetzt glaube ich es. Der Winter kommt zurück. Und wer mal einen Kickstart in die Woche braucht, dem empfehle ich ganz stark, an einem Montagmorgen bäuchlings im Gras zu liegen und die frostigen Halme durch eine Makrolinse zu betrachten.

Pentax k7, DA35 ltd., f4.5, 1/400,  ISO 100.

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Eine Bar aus purem Marmor? Will ich auch!

Vor ein paar Tagen hatten wir die Möglichkeit, auf dem leer stehenden Gelände von Kaffee HAG in Bremen zu fotografieren. Ein tolles Stück Industriegeschichte und ich werde bald noch mehr Fotos von diesem spannenden Ort zeigen. Los geht’s aber mit dem 1914 errichteten Marmorsaal. Dort waren früher eine Kaffee-Probierstube und die Direktionskantine untergebracht. Der Marmorsaal wurde revitalisiert und zu einem Festsaal umgebaut, der heute noch genutz wird, während ein Großteil der übrigen Gebäude langsam aber sicher vor sich hin gammelt. Mehr zu lesen gibt es sehr bald hier und in der Zwischenzeit im Haus- und Hofblatt der Stadt.

Pentax k5, 8mm Fisheye, f11, ISO 100, DRI aus aus 5 Belichtungen, LR/enfuse.