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Wenn man sich mit anderen Fotografen über verlassene Orte unterhält, fallen oft seltsame Namen. Der Grund dafür ist recht simpel: In der urban exploration-Szene werden den Objekten Decknamen gegeben, damit sie ein bisschen schwieriger zu finden sind oder im Optimalfall so lange wie möglich unangetastet bleiben. Das klappt leider nur selten: Fast jeder Ort, den ich wiederholt besichtigt habe, war in einem schlechteren Zustand als bei meinem Erstbesuch. In der Regel kommen erst die Schrottdiebe, die jedes Stück verwertbares Metall klauen, dicht gefolgt von den Zerstör-Kiddies, die völlig hirnlos alles kurz und klein hauen. Als letzte Gruppe der Randalierer hinterlassen Menschen mit Spraydosen ihre Spuren, nur sehr selten kommt dabei etwas schönes heraus.  Also Decknamen – in der Hoffnung, dass die Orte etwas länger im Originalzustand bleiben.
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Der Alias dieses stillgelegten Stahlwerks lautet “Heavy Metal” und das trifft es ganz gut. In den gigantischen Hallen, reihen sich monströse Maschinen aneinander. Es riecht nach Metall. Wir laufen mehrere Stunden durch das Objekt und haben am Ende unserer Erkundungstour trotzdem nur einen Bruchteil gesehen. Ich bin beeindruckt von der Größe. Allein die massiven Töpfe, in denen flüssiger Stahl durch die Hallen transportiert wurde, sind so hoch wie ein Haus. Und davon stehen gleich fünf Stück nebeneinander. Man kann nur erahnen, wie laut und brachial es hier zugegangen sein muss, als noch produziert wurde. Ich erinnere mich an das Portrait-Shooting im Hüttenwerk von ArcelorMittal Bremen und  wie erbarmungslos uns die Hitze des glühenden Metalls entgegenschlug. So war es hier bestimmt auch, doch die Zeiten sind vorbei.

Durch die verlassene Fabrik zieht nur ein kalter Windhauch und verteilt den schweren Staub auf den Knöpfen und Schaltern der Leitwarte. Ich lese die Nachnamen der Arbeiter auf dem Schichtplan und stelle mir vor, wie sie hier saßen und diese gigantische Anlage am Laufen hielten. Neben dem Telefon steht noch eine Brotbüchse. Während die Kamera das spärliche Licht einfängt, bemerke ich, wie ein Kontrolllämpchen aufblinkt. Den Strom haben sie noch nicht abgestellt…
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Seit ich zum ersten mal im Inneren eines Kühlturms stand, bin ich fasziniert von diesen unwirklichen Orten. Gigantisches Ausmaße, tolle Linien, viel Symmetrie und das Gefühl, nicht auf dieser Welt zu sein, zeichnen diese Ungetüme aus. Als wir vor diesem Kühlturm standen, erwartete ich eigentlich nicht viel. Das Bauwerk gehörte zu den kleineren seiner Art. Es war ein kalter, grauer Wintertag und meine Finger waren durchgefroren. Die Überraschung folgte beim Betreten: eine dünne Schicht Neuschnee bedeckte die morschen Holzbalken und in der Mitte stand diese kleine Hütte. Ein völlig surrealer Anblick! Wir machten leise ein paar Aufnahmen und bewegten uns behutsam über die schmalen Laufstege. Wir wollten das Ungeheuer nicht aufwecken…

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Um urbanen Verfall zu fotografieren, fahre ich manchmal hunderte Kilometer mit dem Auto. Dabei liegen immer wieder starke Geschichten direkt vor der eigenen Haustür: Das abgestellte und vergessene Fahrrad habe ich erst jetzt entdeckt.  Dabei lässt es sich nur zwei Querstrassen von meiner Wohnung entfernt überwuchern. Tristes Fristen!

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nachtaufnahmen_bremen_mit_nikon_d800_jonas_ginter002 Im toll geschriebenen Buch “The Visual Toolbox” stellt Autor David duChemin nach jedem Kapitel  kleine Aufgaben. Die Übung des Abschnitts “Geduld” lautet: “Just wait a little longer.” Also wartet ich ein bisschen länger und war überrascht, wie wertvoll das war. Je länger ich stand, wartete und beobachtete, umso intensiver nahm ich den jeweiligen Ort auf. Ein wunderbar entschleunigender Prozess. Diese Fotorunden zum Feierabend sind mein Yoga.

Nachtfotografie kostet Zeit. Zumindest brauchte ich eine ganze Weile, um diese kleine Serie zu fotografieren. Wollte ich doch in jedem Bild die charakteristischen Leuchtspuren des urbanen Verkehrs einfangen. Sich das Schnoorviertel dafür auszusuchen ist, im Nachhinein betrachtet, ziemlich doof. Schließlich gibt’s dort (wenn überhaupt) nur Fußgänger. Doch als dann einer der wenigen Anwohner seinen Schlüssel in einen motorisierten Poller steckte, um sein Cabrio aus dem abgesperrten Viertel zu fahren, erklärte ich die Übung für erfolgreich absolviert. Thomas Lammeyer hat wohl auch ne Weile gewartet – seine Bilder zeigen, dass ich das lohnt!

Warum ist die Geduld so wichtig? Weil sie uns aufmerksam werden lässt.

- Paulo Coelho

Seit ein paar Monaten fotografiere ich neben meiner vertrauten und geschätzten Pentax K-5 auch mit einer Nikon D800. Letztere ist viel größer und viel schwerer, aber sie bringt einen fettem Sensor mit, der unglaublich viele Details einsammeln und einen riesigen Dynamikumfang abbilden kann. Wie gemacht für Nachtfotografie, denn hier kommen ganz schnell extrem helle Lichter und tief schwarze Schatten in einem Motiv zusammen. War vor einigen Jahren noch HDR, also Belichtungsreihen kombinieren, meine Technik der Wahl, um diese Lichtsituationen in den Griff zu bekommen, vertraue ich jetzt einfach auf diesen Sensor. Entspanntes Arbeiten!

Noch ein Tipp zum Schluss. Verschließt den Sucher beim langen Belichtungszeiten. Licht scheint durch den Sucher in die Kamera und kann hässliche Farb- und Kontrastabweichungen verursachen. Gunther und Ronny haben das schon ausführlich beschrieben

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