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Urban Exploration - Spreepark - Fotograf Jonas Ginter

Ein leerstehender Freizeitpark hat mir noch gefehlt. Auch wenn wir in den letzten Jahren zahlreiche verlassene Orte besucht haben, war dieser hier doch etwas außergewöhnliches. Der ehemalige “Kulturpark Plänterwald”  in Berlin war der einzige dauerhafte Vergnügungspark der DDR und eröffnete 1969. 1,7 Millionen Besucher pro Jahr und superdolle Fahrgeschäfte, die es sonst nur im Westen gab, zeichneten den Park aus. Nach der Wende sorgten dubiose Eigentümerverhältnisse, fragwürdige Stadtpolitik und schwindende Besucherzahlen für immer höhere Schulden (die spannende Geschichte, inklusive heißer Drogen-Story, kann man hier nachlesen). Für den Spreepark gab es keine Zukunft mehr. Die Betreibergesellschaft meldete 2001 Insolvenz an und seitdem dreht sich das Riesenrad nur noch, wenn der Wind hindurch pfeift.

Urban Exploration - Spreepark - Fotograf Jonas Ginter

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Industriefotografie - Businessfotograf Bremen - Jonas Ginter - Journalist & Fotograf Bremen

Ein Handwerk, das alles zusammenhält

Ohne Seile wäre unser Leben unvorstellbar: Kein Fahrstuhl würde sich bewegen, keine Brücke würde tiefe Schluchten überspannen und kein Schiff würde im Hafen festmachen. Ohne Seile geht es nicht, weder beim Segeln, noch in der Berufsschifffahrt und auch nicht beim Klettern oder auf dem Spielplatz. Seit Jahrhunderten sind Seiler gefragte Handwerker. Heute gibt es nur noch wenige, obwohl sie beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Ein freundliches „Moin“, ein fester Händedruck und schon geht es los: Norman Schenk steckt sich gelbe Gehörschutzstöpsel in die Ohren führt durch die Produktionshallen von Gleistein Ropes in Blumenthal. Vorbei an große Maschinen, die in atemberaubender Geschwindigkeit rotieren und die Halle mit lauten, metallischen Geräuschen erfüllen. Es riecht nach Plastik, Schmiermittel und Metall. „Alles beginnt hiermit“, sagt der Seiler-Meister und bleibt neben einer Rolle mit weißem Strick, stehen. Er dröselt ein dünnes Band auf, das in etwa so dick ist wie eine Spagetti. Es besteht aus zarten Fasern, dünner als Haare und ist der Rohstoff eines jeden Seils. Dieses dünne Bändchen wird zu dickerem Garn verdreht, welches wiederum zu noch dickeren Zwirn verdreht wird und abermals verbunden zu einem Seil wird. Immer wieder werden die einzelnen Teile verdeht und am Ende verflochten. So entstehen Tauwerke, die gigantische Schiffe halten und tonnenschwere Lasten heben können. Das Prinzip der Seilherstellung hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Schon im alten Ägypten wurden Seile gedreht. Damals per Hand heute mit modernen Maschinen.
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Nur 50 Seiler-Azubis in ganz Deutschland

Die Qualität und die Eigenschaften eines Seils hängen von den Rohstoffen und der Konstruktion ab. Gleistein Ropes verwendet ausschließlich Chemie-Fasern. „Diese sind der Naturfaser in nahezu allen Bereichen überlegen und können eine enorme Bandbreite abdecken“ erklärt Norman Schenk. Das sei wichtig bei über 5000 verschiedenen Seilen im Portfolio. Die Rohstoffe bezieht das Unternehmen aus der ganzen Welt. Im firmeneigenen Labor werden die Materialien auf Bruchfestigkeit, Abrieb, Wasseraufnahme und UV-Beständigkeit getestet, bevor sie in der Produktion verwendet werden. Das große Geheimnis liegt in der Konstruktion der Seile: Welches Material kommt zum Einsatz und wie wird es verflochten? Wie viele Litzen bilden den Kern? Soll das Seil besonders starr oder flexibel sein? Soll es hundert Kilo oder hundert Tonnen tragen?
Seiler kennen den Aufbau der verschiedenen Konstruktionen, die Eigenschaften des Materials und können so die Bruchlast eines Seils berechnen. Deshalb sind gute Kenntnisse in Mathematik und Physik Grundvoraussetzungen für den Beruf. „Wer das Handwerk des Seilers erlernen will, sollte zudem technisches Verständnis und handwerkliches Geschick mitbringen“, sagt Meister Norman Schenk. Gerade einmal 50 Seiler werden dertzeit in ganz Deutschland ausgebildet. Deshalb gibt es auch nur eine Berufsschule für die gesamte Republik. Für die Auszubildenden bedeutet das, während der dreijährigen Ausbildung, immer wieder Aufenthalte in Bayern. In der Berufsschule im fränkischen Münchberg stehen Rohstoff- und Maschinenkunde auf dem Lehrplan, aber auch viele traditionelle Arbeitstechniken werden vermittelt.

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Keine Seile ohne Handarbeit

Zwar werden Seile heute größtenteils maschinell hergestellt, doch zur hohen Kunst des Gewerks gehört nach wie vor viel Handarbeit. Besonders deutlich wird das beim Herstellen von Endverbindungen, dem sogenannten Spleißen. „Ein Spleiß ist die beste Verbindung für ein Seil und wesentlich stärker als ein Knoten“, erklärt Norman Schenk.  Dafür werden die Seilenden aufgetrennt und die einzelnen Stränge, sogenannte Kardeele, nach bestimmten Mustern wieder zusammengeflochten. Das Seil wird in sich selbst zurückgeführt wird und so entsteht eine Klemmwirkung. Für jeden Seiltyp gibt es einen speziellen Spleiß. Neben Messer und Marlspieker sind die Hände das wichtigste Werkzeug der Spleißer. Was für viele Mädchen die höchste Schwierigkeitsstufe bedeutet ist für Norman Schenk eine leichte Übung: „Zöpfe aus vier Strähnen flechten, ist kein Problem“, sagt der 32-jährige und grinst. Das Fachwissen der Experten wird mitunter weltweit angefordert und so kann es vorkommen, dass die Profis von Gleistein nach Costa Rica fliegen, um Tauwerk auf einer Luxusyacht zu spleißen.

Viele Spleißtechniken sind seit Jahrzehnten bewährt und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Bei Gleistein kann man auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Im Jahre 1824 gegründet, ist es das älteste industrielle Familienunternehmen Bremens. „Unser Handeln ist langfristig ausgerichtet. Wir bilden Seiler aus, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern und unsere Position auf dem globalen Märkten zu behaupten“, sagt Jan Paul, Marketing Manager bei Gleistein Ropes. Über 2 Millionen Kilogramm Seile hat das Unternehmen im Vorjahr produziert und damit über 18 Millionen Euro Umsatz geschrieben. 85 Fachkräfte arbeiten in Bremen. Weitere 85 Beschäftigte arbeiten in einem weiteren Werk in der Slowakei. Während dort günstige Standardanfertigungen gemacht werden, entstehen in Bremen die Sonderanfertigungen. Zum Beispiel für Regattasegler und Superjachten oder Sicherheitsseile und Tauwerk für die Offshore-Industrie. „Wer das Handwerk des Seilers erlernt, hat beste Zukunftsaussichten“, ist Abteilungsleiter Norman Schenk überzeugt. Nicht nur in der Seil- und Netzproduktion, sondern auch in der Kabelherstellung, in der Automobilzuliefererbranche oder im Segelsport sind Seiler gefragte Fachkräfte. Industriefotografie - Businessfotograf Bremen - Jonas Ginter - Journalist & Fotograf Bremen

Industriefotografie in Bremen

Als Journalist und Fotograf in Bremen, darf ich immer wieder außergewöhnliche Orte besuchen und Portraitfotos von Menschen während ihrer Arbeit machen. Die Industriefotografie ist immer ein besonders spannendes Feld. Ich darf hinter die Kulissen blicken und bin nach diesen Aufträgen meist ein bisschen schlauer als zuvor. Großartig! Für diese Reportage besuchte ich Gleistein Ropes in Bremen Nord und war völlig überwältigt von der freundlichen Atmosphäre dort. Ich fotografierte mit der Nikon D800 und die meiste Zeit mit dem Nikon AF-S 24-120mm 1:4G ED VR, ein sehr universelles Zoom-Objektiv, das sich für solche Jobs perfekt eignet. Es deckt einen großen Brennweitenbereich ab und erspart so ständiges Linsen-Wechseln und bietet trotzdem eine sehr gute Abbildungsqualität und tolle Schärfe, sogar schon offenblendig.

 

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Titelseite Handwerk-Magazin -  Fotograf in Bremen - Jonas Ginter
Für das Handwerk-Magazin war ich als Journalist und Fotograf in Bremen unterwegs, habe die Titelseite fotografiert und Reportagen in Wort und Bild produziert.  Wie schon in den vergangenen Ausgaben, hieß es: Vier Branchen, vier Azubis und vier Meister. Und auch diesmal hat es wieder  Spaß gemacht, hinter die Kulissen zu blicken und interessante Menschen und ihre Berufe kennenzulernen. Ich besuchte Raumausstatter, Steinmetze, Informationselektroniker und Orthopädie-Schuhmacher.  Das Magazin kann man online durchblättern oder als pdf herunterladen.

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freimarkt_bremen_leica_m3_bw_jonas_ginter-4 Mit der Leica übers Volksfest. Hat Spaß gemacht!
Es gibt wenige Kameras, die solch ein Mythos umgibt wie die kleinen, handgefertigten Präzisionsmaschinen von Leica. Seit einiger Zeit drücke ich immer mal wieder den Auslöser einer M3 die zwischen 1957 und 1958 produziert wurde und bin ganz fasziniert davon. Die Verarbeitung des kleinen Handschmeichlers ist eine Klasse für sich und die Mechanik funktioniert auch nach fast 60 Jahren immer noch tadellos. Klar, der Kasten will erst einmal richtig bedient werden, bevor brauchbare Bilder herauskommen. Eingebauter Belichtungsmesser? Gibt es nicht! Aber wenn alles passt, dann machen die Ergebnisse richtig Spaß. Wenn ich einen frisch entwickelten Film aus dem Labor hole, bin ich aufgeregt und voller Vorfreude. Denn bislang waren auf jeder Rolle ein paar Bilder, die mich total glücklich machen.
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