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Kategorien Archive für: ‘Film’
Drachensteigen ist super! Nicht nur im Herbst kann man Nasen, Ohren und zwei Quadratmeter Drachen in den Wind halten. Nein, auch zur Zeit geht das hervorragend und es macht verdammt viel Spaß. Heute, eine Tag später, habe ich barbarischen Muskelkater, bereue den Ausflug zum Werdersee aber nicht ein Stück.

Als ich den Rucksack mit Proviant und Drachen befüllte, kam mir meine kleine GoPro-Kamera in den Sinn. Der nahezu unverwüstliche, kleine Plastikkasten hat schon viel mitmachen müssen: Ob auf dem Snowboard, in der Achterbahn, auf dem Autodach oder beim Tauchen – diese kleine Kamera ist mein absolutes Lieblingspielzeug  und ermöglich ungewöhnliche Perspektiven. Warum also nicht einmal Drachsteigen? Zwei Kabelbinder später hing das Ding im Drachen und ich freue mich noch immer über die Bilder aus luftiger Höhe.

1200px_drachensteigen_collage1_0
eislaufen_wuemme_collage Schlittschuhfahren ist ja zur Zeit schwer angesagt. Tausende Bremen zwängen sich an den Wochenenden auf die Semkenfahrt oder rutschen über Werdersee und Wallanlagen. Wer ein bisschen mehr Ruhe will und keine Lust auf Menschenmassen hat, kann entspannt die Kleine Wümme entlangfahren. Der Fluss schlängelt sich idyllisch durchs Blockland. Das dicht bewachsene Ufer schützt vor eisigem Wind und die vereisten Stege der Ferienhäuser laden zum Pausieren ein. Lohnt sich wirklich!

Ich hab mir die GoPro-Kamera auf den Kopf gesetzt (die automatisch alle 3 Sekunden ein Bild gemacht hat) und bin gemeinsam mit Jan den Fluss entlang gefahren. Wahnsinn, wie schnell man auf dem Eis unterwegs ist. Ich dachte wir brauchen Stunden für die gut acht Kilometer und hatte den Rucksack voller Proviant. Bis auf ein paar Tässchen Tee haben wir nichts angerührt. Es ging viel zu schnell vorbei!

Seit einiger Zeit bastle ich an einem Slider und jetzt wird es Zeit ein paar Erfahrungen ins Netz zu pusten. Ein Slider ist eine Schiene, auf der ein Schlitten gleitet. Darauf sitzt die Kamera und so entstehen butterweiche Fahrten – im Film nennt sich so etwas auch Dolly. Noch toller ist so ein Slider, wenn man ihn motorisiert. Kommerzielle Produkte gehen bei etwa 600 Euro los und nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Ich wollte das ein bisschen günstiger halten und entschied mich für ein Do-it-Yourself-Projekt. Mein Ziel war es, einen Slider zu bauen auf dem die Kamera ganz langsam gezogen wird, denn ich wollte Zeitraffer-Aufnahmen mit Bewegung produzieren.

Die Schienen für den Slider kommen von der Firma igus aus Köln. Eigentlich stellt das Unternehmen allerlei Komponenten für die Automatisierungs-Industrie her, aber die Produkte eignen sich auch hervorragend für den Einsatz mit der Kamera. Ich entschied mich für das Linearführungssystem WS-10-40  DryLin® W mit einer Länge von Länge 1200 mm und den passenden Schlitten WW-10-40-10-SL mit einer 3/8 Zoll Bohrung.

Die Firma hat mittlerweile eine eigene Produktpallete für Kameratechnik zusammengestellt. Die Schiene funktioniert einwandfrei und der Schlitten läuft darauf sehr leichtgängig. Jetzt fehlt nur noch ein Antrieb.

Grundsätzlich muss man sich zwischen Getriebe- und Schrittmotoren entscheiden. Die tollste Lösung ist ein Schrittmotor und ein Microcontroller, der das ganze steuert. Das funktioniert dann so: Der Schlitten bewegt sich einen Schritt, die Kamera wird ausgelöst, der Schlitten fährt wieder ein Stück, Klick – und so weiter. Das Internet ist voll großartiger Anleitungen und ganze communities beschäftigen sich damit.

Ich entschied mich jedoch für die low-budget-Lösung und klemmte einen Getriebemotor an das Konstrukt. Dabei wird der Schlitten kontinuierlich gezogen – auch während die Kamera auslöst. Dadurch entsteht ein klarer Nachteil: Das Ding ist nichts für lange Belichtungszeiten.

Bei conrad kaufte ich einen Drehzahlsteller für Gleichstrom-Motoren , einen Getriebemotor, einen Metallknopf und Anschlüsse für Batterien. Außerdem erstand ich im Spielzeugladen ein Jojo und ein Stück stabile Schnur.

Die Elektronik steckte ich in eine alte Plastikdose aus der Küche und montierte die Einheit unter den Slider. Das Jojo funktionierte ich zur Aufwickel-Einheit um, indem ich es mit dem Metallknopf verschraubte und an die Welle des Motors flanschte.  Den original Strick des Spielzeugs tauschte ich gegen eine robsute Leine aus. Zusätzlich brachte ich eine Schnellwechselplatte unter der Schiene an, um eine unkomplizierte Befestigung am Stativ zu ermöglichen. Fertig.

Dank der Elektronik ist die Geschwindigkeit der kleinen Maschine regelbar. Der schnellster Durchlauf ist in unter ein Minute geschafft. Der langsamste Durchlauf dauert etwa 25 Minuten. Da werde ich in Zukunft noch ein bisschen optimieren und für noch langsamere Fahrten sorgen.

Kostenpunkt: 84 Euro für die Schiene und Schlitten und nochmal knapp 50 Euro für die restlichen Teile. Nicht eingerechnet sind Stativ, Schnellwechselplatte und Kugelkopf. Das flog bei mir noch rum.

Fazit: Für ungefähr 135 Euro kann man sich eine funktionierende low-budget-Version eines motorisierten Sliders bauen. Das Teil läuft butterweich und ist erstaunlich solide (meine Pentax mit samt dickem Objektiv ist kein Problem). Ein bisschen Bastelarbeit ist nötig, aber das dürfte für jeden problemlos machbar sein. Ich freu mich das Gerät jetzt einzusetzen.

diy_motorized_igus_slider

Freizeitparks sind spitze! Und wenn es diesen Sommer schon keinen Urlaub gibt, dann ist so ein kurzer Ausflug einfach nur super. Nach einem wunderbaren Tag mit Monster-Achterbahnen, ganz viel Adrenalin und wund geschrienen Kehlen  fühlt man sich erstaunlich gut. Einmal pro Jahr sollte man das mindestens machen! Der GoPro seid Dank, gibt’s auch Bewegtbild-Material, das mir beim Schneiden wirklich Spaß bereitet hat.