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Kategorien Archive für: ‘Foto’
Feuerwehrauto

Dieses Foto hat mich eine Sonnenblende gekostet. Denn um das demolierte Feuerwehrauto auf die Speicherkarte zu bannen, musste ich die Kamera unter einem Maschendrahtzaun hindurch schieben. Dabei lockerte sich der doofe Plastik-Aufsatz am Objektiv und stürzte hinterm Zaun in einen tiefen Schlammgraben. Keine Chance auf das Grundstück zu kommen. Alles mit Stacheldraht und hohen Mauern gesichert. Aber was solls. Ich mag das Bild. Dafür hat es sich gelohnt, ein bisschen Material in die Schlacht zu werfen.

Pentax k7, Sigma 17-70, f18, ISO 200, 5 Belichtungen, Photomatix & Co.

Freimarkt in Bremen 2010

Als ich nach einer kleinen Foto-Tour über den Freimarkt zurück nach Hause fuhr, fragte ich mich zu ersten Mal ernsthaft, wie diese armen Schausteller-Menschen so ein Volksfest überstehen, ohne danach ein Fall für die Klinik zu sein. Die stehen da von früh bis spät, egal bei welchen Wetter. Unablässig hämmert stumpfe Musik auf die Ohren, es stinkt nach schalem Bier und frittiertem Zeug. Die bemitleidenswerten Gestalten an den Losbuden, sabbeln ohne Pause irgendwas von “Super Gewinnchance. Tolle Preise. Ab gehts!” und sind viel mehr Maschinenteile ihres kitschbunten Wagens als Menschen, denen man abnimmt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, gibt es auch noch Menschen, die diese beschränkten Feste leidenschaftlich gerne besuchen. Ob es die armen Leute in den Buden tatsächlich glücklicher macht, wenn ekelhafte Typen ihren traurigen Freundinnen ein Lebkuchenherz umhängen? Kann es befriedigender Lebensinhalt sein, dem Publikum mit Micky-Krause-Songs, Bier aus Plastikbechern und Achterbahnfahrten zu kaum steigerungsfähigerer Erbärmlichkeit zu verhelfen? Macht das Spaß, einem aggressiven Jugendlichen einen kandierten Apfel zu verkaufen, der sich gerade noch die Kotze von der Trainingshose wischen musste und dann aber zum Autoscooter eilt, um die Ehre zu verteidigen? Kann man sich wirklich darauf freuen, klebende Dinge zu verkaufen und damit die Bäuche jeder Stadt zu füllen, die man selbst niemals essen würde? Wünscht man sich nicht inständig, dass diese Riesenrad einfach mal umfällt?

Pentax k7, 8mm Fisheye, f10.0, ISO 200, 6 Belichtungen, Photomatix & Co.

Bahnhof Osnabrück

Genug nach oben geschaut? Mit dem heutigen Bild soll es erst einmal genug sein mit der kleinen Serie “Hochsehen“. Wenn man sich nicht zwingt, den Blickwinkel ab und an zu verändern, kann man gute Motive verpassen. Das tut aber nicht weh. Wenn man vor lauter Langeweile nach oben sieht und dabei ein nettes Bild entdeckt, ist es umso schöner. So ging es mir bei diesem Foto. Ich stand auf dem Osnabrücker Bahnhof und der Zug hatte wie eigentlich immer Verspätung. Zum Glück war die Kamera im Rucksack und ich hatte etwas zu tun. Danke lieber 5130-Schaltkasten. Du hast mir die Wartezeit verkürzt.

Rost, Verfall und industrielle Motive sind ja immer ein gefundenes Fressen für HDR-Bilder. Ich kenne keine andere Technik, die Strukturen so schön plastisch und greifbar macht. Um den Schaltkasten richtig schön herauszuheben, hilft zudem eine große Blende und die daraus resultierend geringe Tiefenschärfe.

Pentax k7, Pentax 50mm prime 1.4, f3.2, ISO 100, 5 Belichtungen, Photomatix & Co.

CCTV Tower Beijing

Wolkenkratzer zwingen einen ja nahezu den Kopf nach hinten zu werfen und nach oben zu sehen. Als wir vor dem CCTV-Tower in Peking standen, ging es uns auch so. Meistens stolpert man dann ganz fies über die kleinsten Unebenheiten am Boden. Die Augen sind ja beschäftigt, die Strukturen des Gebäudes in der Höhe abzuscannen.

Die Diskussionen, die um den Turm entbrannten, sind noch abgefahrener als die ohnehin schön sehr verrückte Architektur. In einer dpa-Meldung, die unter anderem der Focus veröffentlichte, hieß es sogar: “Das Hauptgebäude ist eine nackte Frau auf Knien, das Hinterteil dem Zuschauer zugewandt – und der Anbau hat die Form eines Phallus! Meine Güte!“, schrieb der pensionierte Architekturprofessor der renommierten Qinghua Universität, Xiao Mo. Empört über den „gigantischen Hintern“ stimmt der Professor jenen zu, die eine nationale Schande sehen und den Komplex am liebsten abreißen wollen: „Ich wüsste keinen Grund, warum er nicht gesprengt werden sollte.”

Sei es drum, zu Fotografieren war es ein schönes Motiv.

Pentax k100ds, Sigma 17-70, f22, ISO 200, 3 Belichtungen, Photomatixs und Co.