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Seit einiger Zeit bastle ich an einem Slider und jetzt wird es Zeit ein paar Erfahrungen ins Netz zu pusten. Ein Slider ist eine Schiene, auf der ein Schlitten gleitet. Darauf sitzt die Kamera und so entstehen butterweiche Fahrten – im Film nennt sich so etwas auch Dolly. Noch toller ist so ein Slider, wenn man ihn motorisiert. Kommerzielle Produkte gehen bei etwa 600 Euro los und nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Ich wollte das ein bisschen günstiger halten und entschied mich für ein Do-it-Yourself-Projekt. Mein Ziel war es, einen Slider zu bauen auf dem die Kamera ganz langsam gezogen wird, denn ich wollte Zeitraffer-Aufnahmen mit Bewegung produzieren.

Die Schienen für den Slider kommen von der Firma igus aus Köln. Eigentlich stellt das Unternehmen allerlei Komponenten für die Automatisierungs-Industrie her, aber die Produkte eignen sich auch hervorragend für den Einsatz mit der Kamera. Ich entschied mich für das Linearführungssystem WS-10-40  DryLin® W mit einer Länge von Länge 1200 mm und den passenden Schlitten WW-10-40-10-SL mit einer 3/8 Zoll Bohrung.

Die Firma hat mittlerweile eine eigene Produktpallete für Kameratechnik zusammengestellt. Die Schiene funktioniert einwandfrei und der Schlitten läuft darauf sehr leichtgängig. Jetzt fehlt nur noch ein Antrieb.

Grundsätzlich muss man sich zwischen Getriebe- und Schrittmotoren entscheiden. Die tollste Lösung ist ein Schrittmotor und ein Microcontroller, der das ganze steuert. Das funktioniert dann so: Der Schlitten bewegt sich einen Schritt, die Kamera wird ausgelöst, der Schlitten fährt wieder ein Stück, Klick – und so weiter. Das Internet ist voll großartiger Anleitungen und ganze communities beschäftigen sich damit.

Ich entschied mich jedoch für die low-budget-Lösung und klemmte einen Getriebemotor an das Konstrukt. Dabei wird der Schlitten kontinuierlich gezogen – auch während die Kamera auslöst. Dadurch entsteht ein klarer Nachteil: Das Ding ist nichts für lange Belichtungszeiten.

Bei conrad kaufte ich einen Drehzahlsteller für Gleichstrom-Motoren , einen Getriebemotor, einen Metallknopf und Anschlüsse für Batterien. Außerdem erstand ich im Spielzeugladen ein Jojo und ein Stück stabile Schnur.

Die Elektronik steckte ich in eine alte Plastikdose aus der Küche und montierte die Einheit unter den Slider. Das Jojo funktionierte ich zur Aufwickel-Einheit um, indem ich es mit dem Metallknopf verschraubte und an die Welle des Motors flanschte.  Den original Strick des Spielzeugs tauschte ich gegen eine robsute Leine aus. Zusätzlich brachte ich eine Schnellwechselplatte unter der Schiene an, um eine unkomplizierte Befestigung am Stativ zu ermöglichen. Fertig.

Dank der Elektronik ist die Geschwindigkeit der kleinen Maschine regelbar. Der schnellster Durchlauf ist in unter ein Minute geschafft. Der langsamste Durchlauf dauert etwa 25 Minuten. Da werde ich in Zukunft noch ein bisschen optimieren und für noch langsamere Fahrten sorgen.

Kostenpunkt: 84 Euro für die Schiene und Schlitten und nochmal knapp 50 Euro für die restlichen Teile. Nicht eingerechnet sind Stativ, Schnellwechselplatte und Kugelkopf. Das flog bei mir noch rum.

Fazit: Für ungefähr 135 Euro kann man sich eine funktionierende low-budget-Version eines motorisierten Sliders bauen. Das Teil läuft butterweich und ist erstaunlich solide (meine Pentax mit samt dickem Objektiv ist kein Problem). Ein bisschen Bastelarbeit ist nötig, aber das dürfte für jeden problemlos machbar sein. Ich freu mich das Gerät jetzt einzusetzen.

diy_motorized_igus_slider

24 Responses to DIY – Motorisierter Kamera-Slider

  • Miime Cox

    Vielen Dank für den Tipp. Ich habe schon lange nach einem guten Slider gesucht, mit dem igus Ding habe ich schonmal eine richtige Basis. Jetzt überleg ich mir noch, ob ich auch einen Motor nehme oder lieber eine Kurbel baue.

  • Jonas

    das igus Ding ist grundsolide. wenn du viel im video-bereich unterwegs bist, ist eine kurbel wohl die flexiblere Lösung. ich brauch den motor wirklich nur für zeitraffer-aufnahmen.

  • Olli

    Sehr geiler Slider im Low Budget Bereich. Werde die eine oder andere Idee bei meinem einplanen. Allerdings wirkten die Aufnahmen teilweise “ruckelig”, was vermutlich eher am Stativ oder dem Jojo liegt. Was ich auch noch schwer finde: Was machst Du bei Abendaufnahmen, wo eine ruhige bzw. Bewegungsfreie Aufnahme wichtig ist?
    Kannst Du die genaue Bezeichnung des Motors hier ergänzen und ggf. mal sagen, wieviel KG der wirklich ziehen kann?

  • Jonas

    @olli: cih vermute die kleinen ruckler liegen eher am schlecht justierten schlitten und am codec des videos.
    die genaue bezeichnung des motors findest du wenn du auf die einkaufslist von conrad klickst.

    deine berechtigte frage, was man bei langzeitbelichtungen macht, habe ich ja schon im artikel als großes manko des low-budget systems beschrieben. da hilft wirklich nur ein schrittmotor.

  • Tyce

    Mir gefällt das sehr gut. Ich werde mich da auch mal ran machen. Danke dir für den tollen Tip und die Anleitung…

  • benson

    hey, danke für deinen tipp – ich habe mir das gleich bestellt, nur dass ich in aller euphorie nicht gesehen habe, dass man den Geschwindigkeitssteller selbst löten muss – na ja, das ging dann auch relativ schnell ;)
    Eine Frage habe ich: Warum kann man nicht einen normalen (billigeren) LED-Dimmer kaufen – geht das damit nicht theoretisch auch?
    ach ja, hab mir noch einen switch dazugelegt, damit ich vorwärts und rückwärts fahren kann ;)
    Danke und Grüße
    benjamin

  • Jonas

    Hey benson,
    danke für deine Rückmeldung. Das mit dem Switch ist interessant. Wie hast du den Antrieb gebaut, dass du beide Richtuingen fahren kannst?
    Den Geschwindigkeitsregler gibts auch als fertig gelötetes Bauteil zu kaufen. Der Typ bei Conrad hat mir das damals genau erklärt, warum das Ding die bessere Lösung ist. Wenn ich mich richtig erinnere, ging es um die Stromversorgung. Mit dem Controller hält die Spannung wohl konstant besser und die Akkus sind nicht so schnell leer. Oder so ähnlich :)

  • benson

    ahhh, sehr interessant – gut zu wissen, dann bin ich auf jeden fall auf der richtigen seite mit der selbstbautplatine.
    Mein Antrieb besteht aus zwei Rollen mit einer Kerbe in der Mitte und einer Wäschleine
    Dann hab ich zwischen !Platine und Motor! (sonst kurzschluss) einen kleinen switch installiert – der braucht aber 2 Pole so wie der hier -> http://www.conrad.de/ce/de/product/701159/KIPPSCHALTER-TA203A1/0216100&ref=list

    Hier ein paar Fotos, um das zu verdeutlichen …
    http://www.flickr.com/photos/benjaminsohn/sets/72157629417676009/

    in der schwarzen Box ist die platine etc.
    die räder für den slider findest du eigentlich im baumarkt …

    Grüße – Benjamin

  • Jonas

    Hey Benjamin,
    sehr interessant! Danke für die Tips und die Einblicke. Bin gespannt, wie du damit arbeitest.

  • Jonas

    Hallo Jonas,

    sieht gut aus, gefällt mir vor allem da es recht einfach ist. Wenn ich den Motor nicht brauche kann ich das ganze einfach runternehmen.

    Hast du mittlerweile eine Lösung gefunden um die Laufgeschwindigkeit noch weiter zu verlangsamen?

    Schöne Grüsse,
    Jonas :)

  • Jonas

    @Jonas
    Ist wirklich ein recht simples System. Ich bin gerade dabei es noch einfacher zu machen, da ich beim Reisen gemerkt habe, dass es nicht simpel geug sein kann, um es schnell aufzubauen.

    Die Laufgeschwindigkeit werde ich wohl in nächster Zukunft durch den Einsatz eines anderen Motors weiter drosseln.

  • meee

    Interessant, bin auch gerade am überlegen, wie man so etwas umsetzen könnte…
    Hier wird nur mit einem Servo gearbeitet, der rund dreht…
    http://cheesycam.com/motorizing-the-juicedlink-diy-slider/

    Ich frage mich jedoch, anhand welcher Kennzahlen man sowohl bei einem Servo/Winde, wie auch bei einem Getriebemotor ablesen kann, ob er genug power hat, und ob der Regelbereich für timelapse geeignet ist, also mal echt langsam, mal etwas schneller, je nachdem.
    Woher weiß ich, was er ziehen kann, und ob es langsam/schnell genug ist?
    Wie hast Du dich für den Motor entschieden?

  • Herb

    servus, total geile scheisse, respekt. hast du evtl. ne info zur schrittmotor steuerung? ich mache timelapse aber meist nachts, straßenzuege etc da ist natuerlich eine laengere belichtung zwingend erforderlich. die motor slider beginnen aber teilweise erst ab 600€, das muss doch guenstiger im eigenbau gehen!?

    bin leider absolut neu in dem bereich, evtl. hast ja eine idee!

    alles gute,
    herb

  • Jonas

    @Herb: Danke! Ja Schrittmotor ist auch kein Problem. Ein Freund von mir hat einen igus-Slider mit schrittmotoren gebaut. Er hat eine Steuerung mit einem raspberry pi und auch eine steuerung mt einem arduino realisiert. funktioniert sehr gut! und ist deutlich unter 600 euro

  • Herb

    servus jona, erstmal danke fuer die schnelle info! meinst dein kollege hat da auch infos zum projekt? nen raspberrry haette ich sogar bereits im bestand ;)

  • Jonas

    ja, ich frag ihn mal. er wollte immer mal eine seite aufsetzen und das projekt als tutorial zugänglich machen. weißt wie das ist: es scheitert an der umsetzung :) vielleicht motiviert ihn das ja…

  • Herb

    alles roger, ich habe bei conrad bereits ein aurduino – set gefunden was in frage kommt, der raspberrypart sollte dann auch iwie klappen ;)

  • Jonas

    nee,das ist entweder oder. also steuerung mit rapsberry oder mit arduino beides brauchst du nicht

  • Herb

    oh, missverstanden. immerhin steht der slider zum we, dann kommt der elektro-part ;)

  • Moe_Schaefer

    Hi,

    erstmal danke für die tolle Anregung hier. Ich suche derzeit auch nach Bauplänen für nen Slider und einen Motor. Dabei bin ich auch auf diese gestoßen:

    http://servooz.blogspot.de/2013/06/kameraslider-selbstgebaut.html

    Als Antrieb wird da ein Teleskop-Motor verwendet. Das Modell scheint es auf dem Deutschen Markt nicht zu geben, aber eine Alternative von Skywatch. Kostet 36 Euro, wird mit einer 9-Volt-Blockbatterie betrieben. Kostet um die 36 Euronen.

    … vielleicht eine Alternative zur Löterei?

  • Moe_Schaefer

    Boing: falscher Link :)

    Hier der richtige: http://unblindproductions.com/blog/?p=1775

  • Jonas

    Hi Moe, danke für deinen Kommentar. Prinzipiell ist es, welchen Motor du da dran hängst. Keine Angst vorm Löten. Das ist wirklich super einfach.

  • Yannick

    Hallo,
    Toller Beitrag und sehr interessant! Du hast in den Kommentaren geschrieben, dass du einen Freund hast, der die Motorsteuerung mittels raspberry pi und/oder arduino realisiert hat… Gibt es dazu weitere Informationen? Bin ebenfalls an einer IGUS Schiene mit Steuerung für Langzeitbelichtungen interessiert:-)

    LG Yannick

  • Knut

    Moin Jonas,

    ich habe eine Leiter zum Fotografieren. Gleichzeitige soll diese Slider sein: https://www.youtube.com/watch?v=mwVrdh0tdJ0 . Da kommt mir deine Anleitung gerade recht :-) Was mich interessieren würde ist, wie lange die Batterien halten.

    HG Knut

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