Seoul ist eine Megacity. Mehr als 25 Millionen Einwohner zählt die Metropolregion um Südkoreas Hauptstadt. Die Hälfte aller Südkoreaner wohnt hier. Im urbanen Gewusel ist privater Rückzugsraum knapp. Stundenlang sitzen Menschen in U-Bahn, Bus und langen Verkehrsstaus, um zu Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Wer ständig im öffentlichen Raum unterwegs ist, bringt irgendwann zwangsläufig einen Teil seines Privatlebens darin ein. Seitdem jeder ein Smartphone besitzt, ist das so einfach geworden wie noch nie.
Private Unterhaltungen führen, die Lieblings-Serie im Fernsehen schauen, lesen, im Internet shoppen, Musik hören – alles Beschäftigungen, denen man gerne in den eignen vier Wänden nachgeht. Wer kaum zu Hause ist, macht das aber irgendwann auch unterwegs. Home is where your Smartphone is. Dank Smartphone wird der U-Bahn-Sitz zum Wohnzimmer-Sessel und die Stadt zum privaten Lebensraum. Seoul starrt uniform auf Displays und die Starrer spinnen sich so in ihren eigenen digitalen Kokon.
Während der ersten Tage unserer Korea-Reise fiel mir auf, wie leise und zurückhaltend es in Seoul zuging. Höflichkeit und Konventionen prägen die südkoreanische Gesellschaft, doch das ist nur eine Begründung für die fast schon geisterhafte Ruhe in U-Bahnen und Wartehallen. Mindestens genauso wichtig sind die kleinen Computer in Händen und Handtaschen, mit denen flüsternd telefoniert, ferngesehen, gespielt und gelesen wird. Alle sitzen nebeneinander und doch macht jeder seins.
Die Koreaner und ihre treuesten Begleiter zu fotografieren, wurde während unserer Reise schon fast ein Bedürfnis, um diese digital entgrenzte Stimmung einzufangen. Besonders beeindruckt hat mich, wie allumfassend Smartphones ein fester Teil dieser Gesellschaft sind. Vom kleinen Schuljungen bis zur rüstigen Omi – alle haben so ein Gerät. In einigen U-Bahn-Stationen gibt es sogar Plakatwände, auf denen virtuell eingekauft werden kann. Abgebildet ist ein Ladenregal eines Supermarkts. Unter den einzelnen Produkten sind QR-Codes angebracht, die mit dem Handy gescannt werden können und so im virtuellen Einkaufskorb landen. Während die Menschen nach Hause fahren, werden die Produkte der Einkaufsliste vom Supermarkt zusammengepackt und pünktlich nach Hause geliefert.
Das fände ich jetzt auch ganz praktisch…



Excellent collage, Jonas. I think you have captured the addiction to smart phones very well.
Thanks Jan.
Eine der tollsten Serien über mobile phones, die ich je gesehen habe. Klasse!